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Wo Möhneschulte das Brückengeld kassierte

Möhnepforte in den 1950er JahrenDie Möhnepforte in den 1950er Jahren. Bis zur Möhnekatastrophe (1943) ging es rechts hinunter zur Brücke. In dem Haus hinter der Kastanie, das 1964 abgebrochen wurde, wohnte Heinrich Schulte, genannt Möhneschulte, der ab 1853 Pächter des Brückengeldes war.

„1350 urkundlich genannt, ist die Moyneporte der älteste Straßenname des Ortsteils Neheim, der seinen Namen bis heute nicht geändert hat, denn im Volk hieß er immer so“, stellte Oberstudiendirektor und Heimatforscher Carl Wigge (1885 bis 1964), in Neheim bekannt als „Wiggen Onkel“, 1962 in seiner Arbeit „Die Straßennamen der Stadt Neheim-Hüsten“ (1999 herausgegeben vom Heimatbund Neheim-Hüsten) fest.

Anlass der Urkunde: Damals hatte Gervas von Neheim, der auch Freseken genannt wurde, dem Kloster Oelinghausen einige Gärten bei Neheim geschenkt, darunter drei „extra portam qua dicitur Moyneporte“ (außerhalb des Tores, das Möhnepforte genannt wird).

Die alte Stadt Neheim, die bis zum Stadtbrand von 1807 den Ring ihrer Mauern nicht verlassen hatte, besaß drei Stadttore: das mächtige, steinerne Obertor (Standort etwa am Eingang der Marktpassage zur Marktseite), das Ruhrtor zwischen den Burghäusern Freseken und Schüngel (heute Parkplatz unter der Autobahnbrücke) und die Möhnepforte, von der der Weg über den Haarstrang nach Werl führte.

Die Möhnebrücken in den Jahren vor der Zerstörung durch die MöhnekatastropheDie Möhnebrücken in den Jahren vor der Zerstörung durch die Möhnekatastrophe: vorn die stählerne Bogenbrücke an der Möhnepforte, hinten die erst 1932 erbaute erste Betonbrücke im Verlauf der Werler Straße. Die heutige Fußgängerbrücke an der Möhnepforte überspannt ein Stück flussabwärts die Möhne (Pfeil). Mit einem Kreis markiert: das heute noch bestehende Gebäude der ehemaligen Firma F. W. Brökelmann (unter anderem Domizil der Volkshochschule) am Mühlenplatz.

Dieser Straße kam eine besondere Bedeutung zu. Sie war wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit ein wichtiger Verkehrsweg vom Hellweg in Richtung Hönnetal. Nach dem Verkauf der Grafschaft Arnsberg 1368 an Kurköln nutzten die Landesherren, die Kölner Erzbischöfe, diese Verbindung häufig, um zu ihrer Residenz in Arnsberg zu gelangen. Auf dieser Linie verkehrte ab 1742 auch die erste Wagenpost im Sauerland.

Vor allen Stadttoren lagen hölzerne Brücken: vor dem Obertor über den Stadtgraben, vor Ruhr- und Möhnetor über die Flüsse. Die Besonderheit der Möhnebrücke war, dass sie nicht dem Fiskus, sondern der Stadt Neheim gehörte. Die erhob für die Benutzung ein Brückengeld. Aus einer Mitteilung des Bürgermeisters Carl Joseph Dinslage von 1853 wissen wir, dass diese Aufgabe seinerzeit für 40 Reichstaler jährlich an Heinrich Schulte verpachtet war. Dieser wohnte unmittelbar an seinem Arbeitsplatz in dem 1964 abgebrochenen Fachwerkhaus neben dem heutigen Elektrohäuschen und wurde deshalb „Möhneschulte“ genannt.

Die Möhnepforte nach der Zerstörung durch die MöhnekatastropheDie Möhnepforte nach der Zerstörung durch die Möhnekatastrophe (17. Mai 1943). Mit einem Kreis markiert: einer der Pfeiler der Bogenbrücke.

Bei den Flussbrücken handelte es sich zunächst um einfachere Konstruktionen für Fußgänger und leichte Karren. Die schwereren Wagen benutzten für die Flussüberquerung die Furten, unter anderem die in der Möhne ein Stück flussabwärts neben der heutigen Werler Straße. Dort bestand später eine schmale, hölzerne Fußgängerbrücke, die bei Hochwasser völlig überspült wurde. Erst 1932 wurde an dieser Stelle die erste Betonbrücke errichtet, die aber schon elf Jahre später bei der Möhnekatastrophe zerstört wurde.

Dabei wurde auch die mittlerweile errichtete stählerne Bogenbrücke an der Möhnepforte, die lange die Hauptverkehrslast getragen hatte, fortgespült. Die heutige Fußgängerbrücke in dem Bereich überspannt ein Stück unterhalb dieser Stelle den Fluss.

Im Jahre 1899 wurde die Möhnepforte in Brückenstraße umbenannt, ein Name, der sich bei der Bevölkerung nicht durchsetzen konnte. Deshalb erhielt sie 1921 endgültig ihren alten Namen zurück.

Möhnepforte in den 1920/30er JahrenWinterlandschaft an der Möhnepforte in den 1920/30er Jahren. Der linke Bogen der Brücke überspannt die Möhne, der rechte den hier einmündenden Mühlengraben. Der Pfeil weist auf das heute noch bestehende Gebäude der ehemaligen Firma F. W. Brökelmann am Mühlenplatz (Möhnepark). Bei dem Gebäude mit Türmchen rechts davon handelt es sich um das 1969 abgebrochene alte Rathaus.

Bericht: Helmutheinz Welke
Bilder: Archiv des Heimatbundes Neheim-Hüsten