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Montag, den 16. August 2010 um 21:26 Uhr

Informationstafel für Fürstenbergkapelle

Jürgen Post und Antonius Risse beim Aufstellen der Info-TafelAuch an der Fürstenbergkapelle klärt jetzt eine Informationstafel des Heimatbundes Neheim-Hüsten die Besucher über die Geschichte des Bauwerks auf. Die Heimatbundmitglieder Jürgen Post (auf dem Foto links) und Antonius Risse (rechts) haben die Tafel am 11. August 2010 angebracht. Risse und Post, die im benachbarten Lüttringen wohnen, betreuen auch die Kapelle und ihre Außenanlagen, unter anderem durch Säubern der Umgebung und Rasenmähen.

Die Aufstellung des Schildes hatte sich verzögert, weil zunächst noch die Wiederherstellung des stark beschädigten Weges zur Kapelle abgewartet werden sollte. Deshalb ist auf der Tafel als Widmungsdatum „Oktober 2009“ genannt.

Die wenigen Angaben auf dem Schild lassen kaum erkennen, wie bedeutsam dieser Platz für die Geschichte Neheims und unserer engeren Heimat ist. Er liegt zwar auf Enser Territorium (Stadt- und Kreisgrenze verlaufen hier unterhalb des Fürstenberges in der Mitte der Ruhr), befindet sich aber wie die Kapelle im Besitz des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen. Mit diesem wurde die Aufstellung der Informationstafel abgestimmt.

Info-Tafel FürstenbergkapelleDie Kapelle wurde möglicherweise in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet, etwa in der Zeit, als der letzte Graf von Arnsberg seine Grafschaft an das Erzbistum Köln verkaufte. Diese Vermutung stützt sich auf eine Angabe in der auf dem Schild (Bild links, Foto: Antonius Risse) angeführten Urkunde von 1429, die sich im Herdringer Archiv befindet. Darin heißt es, dass  die Bäume rings um die Kapelle so stehenbleiben sollen, wie die Eltern sie ein Menschenalter zuvor gepflanzt haben.

Bei den Eltern handelt es sich um Friedrich von Fürstenberg und seine Frau Elisabeth von Syberg. Die alten Eichen stehen allerdings schon lange nicht mehr. Die nachfolgenden Holzgenerationen waren dann schließlich schon so hoch aufgeschossen, dass die Sicht vom Kapellenplatz ins Tal völlig versperrt war. Erst nachdem die Forstverwaltung einige Bäume entfernt hat, tut sich vor den Besuchern der Kapelle wieder ein beeindruckendes Panorama auf. Weit schweift der Blick durchs Ruhrtal, über Neheim und Hüsten hinaus in die Ferne, wo sich die sauerländischen Berge staffeln.

Die Kapelle liegt inmitten ausgedehnter Verteidigungsanlagen, von denen Wall- und Grabensysteme künden. Die ältesten von ihnen werden auf die karolingische Zeit datiert (8./9. Jahrhundert) und gehören wohl zu einer Kette von Burgen, mit denen Karl der Große seinen Machtbereich gegen äußere Feinde wie die heidnischen Sachsen abgesichert hatte. Innerhalb dieser mit Palisaden umwehrten Oldenburg gab es auch einige feste Gebäude. Eine „richtige“ Burg wurde erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts unterhalb der Oldenburg auf dem heute „Richters Köpfchen“ genannten Bergsporn angelegt.

Es handelte sich dabei um eine kurkölnische Landesburg, die Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275 bis 1297) gegen seine streitbaren Nachbarn, die Grafen von Arnsberg und von der Mark, errichten ließ. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1295. Dabei erfahren wir auch von dem Burgmann, der dort residierte. Es ist Hermann von Fürstenberg, der eigentlich von Binolen (Hönnetal) hieß und seinen neuen Namen von seinem Amtssitz ableitete. Die inzwischen weit verzweigte Familie gibt es heute noch.

Über den Namen des Fürstenbergs ist viel gerätselt worden: „Vorstenberg“, was so viel bedeutet wie vorstehender Berg, oder „Fürstenberg“ als der Berg des Fürsten, nämlich des Kölner Fürstbischofs?

Heimatblätter Nr. 26 „Der Fürstenberg“Wie dem auch sei – lange konnte sich die Familie von Fürstenberg ihrer Heimstätte nicht erfreuen. Denn die vor allem gegen die nahe arnsbergische Stadt Neheim gerichtete Befestigung wurde als Bedrohung empfunden und war deshalb immer wieder Ziel militärischer Aktionen. In den Jahren 1304 und 1311 wurde die Burg zerstört, aber immer wieder aufgebaut. 1344 schließlich wurde sie aufgegeben und die Fürstenberger zogen um zu der inzwischen nicht weit entfernt errichteten Wasserburg Waterlappe. Von der alten Burg sind heute kaum noch Reste erkennbar. Auch dort wird der Heimatbund noch eine Informationstafel aufstellen.

Im Jahre 2002 ist in der Reihe „Westfälische Kunststätten“ die Ausgabe „ Der Fürstenberg – Kapelle, Badehaus, Vegetation und Heilkräuter“ (Titelbild rechts) erschienen und im Dezember des Jahres als Nr. 26 unserer Heimatblätter als Jahresgabe für die Mitglieder ausgegeben worden. In diesem Heft, das leider zur Zeit vergriffen ist, finden sich diese und viele weitere interessante Details. Dort erfährt der Leser unter anderem auch, dass Anfang des 19. Jahrhunderts schon einmal beabsichtigt war, die Kapelle (Bild unten, Foto: Helmutheinz Welke) abzubrechen, weil sie ziemlich heruntergekommen und – wie der Freiherr von Fürstenberg 1817 schrieb – „der nächtliche Aufenthalt von Diebesgesindel“ war. Oder als 1957 sogar der Rundfunk über den Diebstahl der 70 Kilo schweren Glocke der Kapelle berichtete. In Ennepetal-Voerde wurde sie schließlich bei einem Schrotthändler wiedergefunden und auf den Fürstenberg zurückgebracht.

Fürstenbergkapelle