Hüsten zieht zur Schnade aus
Seit nunmehr 23 Jahren finden in Hüsten (links das alte Wappen der Freiheit) wieder Schnadegänge statt.
Am Samstag, den 18. September 2010 ist es wieder so weit: Um 13 Uhr setzt sich der vom Heimatkreis Freiheit Hüsten veranstaltete Schnadezug an der St.-Petri-Kirche in Bewegung.
Ausrichter ist diesmal der SPD-Ortsverein Hüsten, der in diesem Jahr hundert Jahre besteht.
Aus Hüsten stammt auch die älteste uns bisher bekannte Nachricht von einem Schnadegang im Raum Arnsberg. Sie findet sich im uralten Bürgerbuch der Freiheit Hüsten und wurde vom damaligen Bürgermeister und Schützenhauptmann Johann Wulf verfasst. Wir zitieren sie hier nach der Veröffentlichung in dem 1985 erschienenen Buch „Freiheit Hüsten“. Demnach lautet sie:
„Anno 1657 den 21. März hat Bürgermeister und Rat auch ganz Gemeinheit, Jung und Alt, sich beieinander getan und der Freiheit Hüsten ihr Feldmark umgangen in der Wollemeiner (d. i. die Gesamtgemarkung der Gemeinde) von alters gebräuchlich: Dass die Jungen oder unsere Nachkommen wissen, davon noch zu sagen: und ist gebräuchlich alle fünf Jahre die Feldmark zu umgehen, dies zur Nachricht in dies Buch gesetzet.“
Es ist folglich falsch zu sagen, die Hüstener Brauchtumshüter schritten nun zum 353. Mal die Gemeindegrenzen ab, wie kürzlich in der Zeitung zu lesen war. Der Schnadegang fand ja nicht jedes Jahr und offensichtlich auch schon vor 1657 statt. Außerdem fiel er gelegentlich wegen ungünstiger Umstände (Krieg, Stadtbrand, Seuchen) aus und war zu Zeiten der preußischen Staatsführung sogar lange Zeit verboten.
In diesem Jahr fällt er zeitlich zusammen mit dem groß gefeierten Freiheitsjubiläum (650 Jahre Freiheit Hüsten). Deshalb ziehen die Schnadegänger zunächst in Richtung Neheim und werden am Rathaus Zeugen der Aufstellung eines Erinnerungssteines. Zum Abschluss begeben sich die Teilnehmer in das Unterhüstener GVU-Heim, wo die Veranstaltung ab etwa 16 Uhr allmählich ausklingt.
Schnadegang: Erst Pflicht, dann streng verboten
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